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Tun Sie mal wieder was „außer der Reihe“

Tun Sie mal wieder was „außer der Reihe“

Nackter Wahnsinn. Ein Pfarrer, der sich für aidskranke Kinder in Kapstadt einsetzt. Eine Charity-Veranstaltung, ein Vortrag? „Warum sollte mich das interessieren?“, die Frage stellte ich mir kurz und antworte auf die E-Mail von Alexandra Kloft mit einem knappen „habe genug eigene Probleme. Und: kenne niemanden der spenden möchte.“

Ganz ehrlich: ich kann mich kaum noch an die Zeiten erinnern, als jemand zu meinen Plänen sagte: „Bist Du verrückt?“ Außer vielleicht als ich meinen festen Job kündigte, um mein eigenes Ding zu machen. Aber Fitnessfachwirtin und Initiatorin des Treffens, Alexandra, hakte zum Glück nach und überzeugte mich, diesen „wahnsinnigen“ Pfarrer aus Kapstadt zu treffen, der sein eigenes Ding machte.                                                                                                   Und warum nun nackt? Ich recherchierte und fand heraus, dass Pfarrer Hippler mit nichts, außer einer gehörigen Portion Mut angefangen hatte, gegen Armut und AIDS zu kämpfen. Meine Neugier war geweckt. Ein zwangloser Abend, im kleinen Kreis mit Pfarrer Hippler, dem Mann aus dem Township, aus einer anderen Welt.

Angstfrei gegen Aids – warum der Pfarrer die Sympathie vom Gangsterboss braucht

Der 59-jährige, der sich beim Gastgeber auf der Couch niedergelassen hatte, wirkte auf den ersten Blick wie ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein Kosmopolit, nicht wie ein katholischer Pfarrer aus dem Bistum Trier. Von drahtiger Statur, mit wachen, hellblauen Augen und rheinländischen Akzent stand er mitten im Leben. Was für ein Leben – das nötigte allen Gästen diesem Abend höllischen Respekt ab. Pfarrer Hippler, gebürtiger Bitburger, fühlt sich wohl in Kapstadt und hatte dort mit seiner 2001 gegründeten Stiftung HOPE ein Projekt begonnen, das er als „The Whole Child Revolution“ bezeichnet. Er selbst lebt in einem Stadtteil Kapstadts, in dem Menschen unterschiedlichster Nationen und Religionen friedlich zusammenleben.

An seinem Arbeitsplatz, dem Township Blikkiesdorp, ist das nicht der Fall. Armut, Kriminalität, mangelnde Bildung und Aids machen aus diesem Wohnort ein Pulverfaß, wußte Stefan Hippler zu berichten. Er selbst ging als Pfarrer als „soft target“ durch und das nur, wenn er das Township tagsüber besuchte, wenn die Leute nicht betrunken waren oder Bandenmitglieder sich bekriegten. „Die Sympathie des Gangsterboss zu haben war schon die halbe Miete“, wußte Stefan Hippler auf die Frage, ob er Angst um sein eigenes Leben hatte, zu beantworten.

2001 gründete der Pfarrer die HOPE-Stiftung in Kapstadt. Er konnte es nicht länger ertragen Dinge zu sehen und nicht handeln zu können. Von Regierungsseite wurde weggeschaut, Aids war eine Krankheit der Armen, Medikamente aus dem Ausland nicht zugelassen. Tatsache ist, dass in Südafrika 58 Mio. Menschen leben, davon 39 Mio. in Armut und 7,5 Mio. mit Aids. Pfarrer Hippler wollte nicht länger wegschauen, er konfrontierte die Regierung mit Tatsachen, betrieb Aufklärung, erfand die Gesundheitsarbeiter und begann, auf den Grundsätzen der Menschenrechte für die Gesunderhaltung der armen Bevölkerung einzutreten. Seit fast 20 Jahren ist seine Stiftung HOPE Vorreiter, Bindeglied und wissenschaftlicher Partner in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und Gemeindeentwicklung. Wo die Regierung Verantwortung übernahm, nahm sich die HOPE-Stiftung zurück, um neue Aufgaben zu übernehmen für das Gelingen des Projektes. Hipplers Ansatz „The Whole Child Revolution“ stärkt die Schwächsten der Zivilgesellschaft: die Kinder und Familien, die von HIV, sozialen Herausforderungen und den damit verbundenen schwierigen Lebensumständen betroffen sind. Mit dem Ziel, dass diese Kinder und Familien ihr volles Potential erreichen. Die HOPE-Stiftung behandelte, als Bindeglied zwischen Township und Krankenhaus, mit 38 Mitarbeitern bis zu 161.000 Patienten im Jahr. Die Zahl der mit HIV infizierten Babys konnte von 33% auf 1 % gesenkt werden. Junge Mütter lernen heute wie entscheidend die ersten 1000 Tage für das Leben ihrer Kinder ist.

Kapstadt ist Sitz des südafrikanischen Parlaments und Hauptstadt der Provinz Westkap, hier gründete Stefan Hippler seine Stiftung HOPE Cape Town. Mittlerweile ist HOPE Cape Town auch in den USA vertreten. Der Arbeitsplatz von Pfarrer Hippler in Kapstadt ist das Township Blikkiesdorp in der Nähe des Flughafens, welches zum Township Delft gehört. 20.000 Menschen aus 30 Nationen leben dort in engen Wellblechhütten mit bis zu 15 Personen zusammen. Das Township ist bekannt für seine menschenunwürdigen Lebensumstände, Kriminalität, Drogenhandel und illegaler Waffenbesitz sind an der Tagesordnung.

Seit 2001 hilft die HOPE-Stiftung in den Townships von Kapstadt. Seither ist Pfarrer Hippler bis zu 125 Tage im Jahr in der ganzen Welt unterwegs und nutzt seine Kontakte, um Geld und Unterstützung für die Stiftung zu sammeln.

Mit seinen Mitarbeitern besucht er Familien und deren Kinder im Township. Im Laufe der Jahre hatte er im Containerdorf Blikkiesdorp einen Gemeindegarten, eine Suppenküche, eine Notfallhilfe und eine Gesundheitsfürsorge eingerichtet. HOPE stellt Räumlichkeiten bereit, ermöglicht die Teilnahme an Foren der Zivilgesellschaft, bietet soziale Unterstützung und Fußball als Ausgleich an.

Aids- und Tuberkulosekranke in Südafrika bekommen Geld vom Staat. Fast jede Familie bräuchte deshalb einen Kranken der mithilft, ihr Überleben zu sichern. Die Hope-Stiftung sorgt für die soziale Unterstützung der Kinder und deren Familien. Sie betreibt medizinische Forschung und klinische Unterstützung. In ihrer täglichen Arbeit durchdringt sie das Bewusstsein der südafrikanischen Gesellschaft, engagiert sich für Vorbeugung und sorgt für Aus- und Weiterbildung von Menschen, die ohne HOPE keine lebenswerte Zukunft hätten.

 „Auch wenn Aids in den europäischen Medien nicht mehr so präsent ist, sollten wir die erneute Gefahr einer Pandemie in unserer globalisierten Welt nicht unterschätzen,“ unterstrich Stefan Hippler. AIDS und Tuberkulose treten oft zusammen auf und könnten nicht auf einzelne Regionen in der Welt begrenzt werden. Weil Viren wandlungsfähig und reisefreudig sind, gehörten Aufklärung, Aus- und Weiterbildung unbedingt zu den Zielen der HOPE-Stiftung. Auch wenn z.B. Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter bei der Fußball WM 2010 wegschaute, Schulen schließen ließ und damit unzähligen Kindern die einzige Mahlzeit des Tages verwehrte, so hatten sich viele Persönlichkeiten für die HOPE-Stiftung bereits stark gemacht. Allen voran der frühere Staatspräsident Nelson Mandela, Angela Merkel, Joschka Fischer, Harry Belafonte u.v.m.

Ich bedanke mich bei Stefan Hippler für Einblicke in eine südafrikanische Lebenswelt, die für uns Europäer schwer vorstellbar bis beängstigend ist. Wie alle teilen dieselbe Erde. Geben wir es also auf, in einer globalisierten Welt die Augen vor Aids und den daraus entstehenden Problemen zu verschließen.

Porträt Pfarrer Hippler:

http://www.hinter-dem-horizont.net/themen/stefan_hippler.htm

Sponsorenclip:

Hope-Stiftung: https://www.hopecapetown.com

Willkommen in B-Schissen!

Willkommen in B-Schissen!

Vorsicht vor kleinen Machthabern und Schmeichlern, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen.

In der Schule war es der kleine, rothaarige Herr L., der als Mathelehrer die Macht hatte, sich auch als Sportlehrer zur gefürchtesten Person des Lehrerkollegiums zu machen. Drückte er einem in Mathe mit einem süffisanten Lächeln eine 4 Minus rein, so konnte er, besonders uns Mädels in der Achten, auch noch bei den Bundesjugendspielen das Fürchten lehren. Er starrte uns grundsätzlich auf dem Sportplatz auf die Brüste und kommentierte, was er sah, mit sexistischen Sprüchen. Zu dumm, entweder waren wir Mädchen noch zu gut erzogen oder wir waren uns einfach nicht unserer Überlegenheit bewusst, diesen kleinen rothaarigen Gnom auflaufen zu lassen. Er hatte es immer mit unseren Brüsten, die sich an diesen kühlen Morgen beim Sportunterricht unter den dünnen T-Shirts abzeichneten. Wir schämten uns, fühlten uns wie der letzte Dreck oder fühlen uns einfach hässlich und peinlich. Es dauerte lange bis sich daran etwas änderte. Den nächsten kleinen, rothaarigen Unterdrücker hatte ich viel später als Vorgesetzten in einer Werbeagentur. Berhard G. Ich war jetzt erwachsen und wollte zu den Kreativen gehören. Bernhard G. war die Hürde, die es zu nehmen galt. Zum Glück hatte er narzistische Züge und ein explosives Gemüt, sodass er mir zwar an die Schulter fasste, es jedoch nie weiter kam. Sein aufbrausendes Gemüt war es, mit dem er sich schließlich selbst aus der Firma und mir aus dem Weg räumte. Die Bahn war frei für meinen ersten Alleingang, einen Werbefilmdreh. Seither ist viel Zeit vergangen, ich bin selbstständig und glaubte schon, dass sich b-schissen fühlen der Vergangenheit angehören würde. Schließlich hatte ich die freie Wahl mit wem ich arbeiten wollte. Das ich diesen Glauben nicht lebte, wusste ich, als ich hinunter in seine Knopfaugen blickte. Pedro S. das PataNegra-Schwein. Start-up in Zwergengestalt. Ein stolzer Stöpsel vom äußersten Rand der Iberischen Halbinsel. Potentieller neuer Kunde. Ich hatte gerade Kapazität und scheinbar Lust auf einen Blick in den Abgrund. Ich nahm also die Aufgabe an, bereute es aber sogleich als ich folgenden Satz hörte: „Ich gebe Ihnen gerne den Schinken. Aber später, Frau Blaa — ähm – gert, hole ich mir immer das Schwein“. Schwein stand dann wohl auch in meinen Augen als ich ihn das sagen hörte. Abscheu stand mir im Gesicht, Ekel krümmte meinen Magen, doch der Kopf meldete „Du brauchst den Kunden!“ „Wirklich so sehr?“, sollte ich mich fragen.
Zum Glück finde ich mich selten an dem Ort angekommen, den man getrost B-Schissen nennen darf. Doch es kommt vor und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich diese Ausflüge nach B-Schissen wieder häufen. Da ruft mich ein bekannter Agenturbesitzer an, um mich für eine Webseite anzuheuern, die maximal soviel Kosten darf, wie ein Spesenessen, das er sich mit seinen Geschäftsfreunden gönnt. Immer geschickt Schuldgefühle bei mir erzeugend, welches unternehmerische Risiko er tragen würde im Gegensatz zu mir. Wieso trage ich eigentlich kein Risiko? Ich bin schließlich Soloistin. Und (die fetteste Lüge ever!): nach diesem Job würden ja noch soviele Webseiten folgen, dass sich das für mich rechnen würde. Oder: man vertut einen kompletten, heißen Sommertag damit, dem Boss eines familiengeführten Unternehmens am Rhein zu lauschen, wie toll er ist. Nun sollte ich auf seine gekritzelten Notizen hin erraten, wie er sich seinen Webauftritt vorstellte. Die Gesichter seiner Mitarbeiter bei der Werksbesichtigung riefen mir stumm zu „Lauf!“ Am Ende war der Webtext sein Werk und der Slogan, den er für seine Firma erwählte hat sein Eigentum, für das er nur Kleingeld übrig hatte. Mein Vorschlag wurde, in abgewandelter Form, sein Motto für unsere Zusammenarbeit: „Ich biege alles für mich hin.“

So süß und verführerisch Rachegelüste auch sind, sich machen sich nicht bezahlt. Und sie zahlen auch keine offenen Rechnungen. Stattdessen zehren sie die restliche positive Energie mit negativen Gefühlen auf und hinterlassen ein Gefühl der Machtlosigkeit. Um nicht länger Machtpolitik betreiben zu müssen, hatte ich mich letztendlich selbstständig gemacht. Heute sage ich mir: „Vergib ihnen, bleib Herrin der Lage und rege Dich nicht auf.“ Es gibt immer etwas zu retten, auch wenn es nicht die uneinbringlichen Außenstände sind.
Manchmal reichen schon ein paar Zeilen aus, adressiert an die Person, die mich nach B-Schissen geschickt hat: „Vielen Dank. Habe versucht, meine Unkosten abzurechnen und dabei ist mir klar geworden, dass es Ihnen schwer fallen wird, sich an unsere Vereinbarung zu halten. Werde bei unserem nächsten Treffen, zusammen mit ihren anderen Zulieferern versuchen, eine Benefizveranstaltung für Sie zu organisieren.“
Ideen für elegante Rachemomente hätte ich genug, schließlich lebe ich von meiner Kreativität. Schon das lindert meinen Ärger. Mir reicht es, das sich weiß, ich könnte wenn ich nur wollte.

Foto: M. Blackert

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